Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Wintersemester 2013/14

Bildung ohne Gerechtigkeit?
Perspektiven einer unerschöpflichen Debatte

Veranstaltungsort:
Campus Westend
Festsaal im Casino-Gebäude
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main

Beginn jeweils 19.30 Uhr, Eintritt frei

 


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11. November, 19.30 Uhr / Ungelernt und Chancenlos?

Die Bildungsverlierer

   

Sie können nicht richtig lesen oder schreiben, brechen die Schule oder die Lehre ab und nutzen keine Weiterbildungsangebote. Während das allgemeine Bildungsniveau in Deutschland steigt, so das Fazit des aktuellen Bildungsberichts von Bund und Ländern, gibt es unter Deutschlands Jugendlichen einen harten Kern von bis zu 20 Prozent sogenannten Bildungsverlierern. Fast jeder zweite junge Mensch in Deutschland erwirbt heute die Hochschulreife. Dagegen haben von den 20- bis 30jährigen 1,5 Millionen keinen Schul- oder Berufsabschluss. Woran liegt das? Welche Perspektiven haben Menschen ohne zureichende formale Bildung? Die Veranstaltung blickt auf die unbequeme Seite der deutschen Leistungsgesellschaft – dorthin, wo Expansion und Exzellenz kein Maßstab mehr sind. Wer kümmert sich um Schüler, die „nicht funktionieren“, um Familien, denen die Zugänge zur „höheren Bildung“ fehlen? Auch auf die Frage, welche gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen die Benachteiligung von gesellschaftlichen Gruppen hat, soll diese Veranstaltung Antworten liefern.

Impulsvortrag und Diskussion
Prof. Udo Rauin, Leiter Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung

Diskussion
Katja Cabrini, Sophienschule Frankfurt, Peter Feldmann, Oberbürgermeister Frankfurt, Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Moderation
Marc Dugge, Hessischer Rundfunk, hr-info


25. November, 19.30 Uhr / Ausgegrenzt und unterschätzt?

Migranten im deutschen Bildungssystem

   

Die ungleiche Verteilung von Bildung ist fast immer auch die Folge individueller Herkunft und sozialer Voraussetzungen. In der Debatte um Integration und Inklusion geht es besonders häufig um Menschen mit Migrationshintergrund. Im Fall von Kindern und Jugendlichen bedeutet das die Verschwendung wertvoller geistiger Ressourcen. Aufgrund fehlender Sprach- und Schreibkompetenz fällt Schülern mit Zuwanderungsgeschichte oft ein konzentriertes und effizientes Lernen schwer. Sehr schnell fallen diese Schülerinnen und Schüler in ihren Leistungen zurück, individuelle Förderung ist – auch mit Rücksicht auf den Rest der Klasse – aber nur selten möglich. Stimmt dieses Bild der in doppelter Hinsicht benachteiligten Kinder und Jugendlichen? Inwieweit könnte hier spezieller Unterricht, z.B. auch auf Türkisch, Abhilfe schaffen? Auch deutsche Schüler sind zunehmend von der Debatte betroffen. Gemeinsam lernen bedarf einer gemeinsamen Sprache. Teil der Diskussion soll auch das Phänomen der „positiven Diskriminierung“ sein, die eine normale Teilhabe am allgemeinen Bildungsangebot oft zusätzlich erschwert.

Impulsvortrag und Diskussion
Masoud und Mojtaba Sadinam, Studenten der Goethe-Universität und Autoren von „Unerwünscht – Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“, Suat Yilmaz, Talentscout der Westfälischen Hochschule

Diskussion
Prof. Frank-Olaf Radtke, Erziehungswissenschaftler GU

Moderation
Riccardo Mastrocola, Hessischer Rundfunk, hr-info


9. Dezember, 19.30 Uhr / Verschult und überfrachtet?

Bildung zwischen Theorie und Praxis

   

Statt das Studium strukturierter und effizienter zu gestalten, hat uns die Bologna-Reform verschulte Studiengänge, „Wissensbulimie“ und Absolventen mit teilweise sehr oberflächlichem Wissen gebracht. Das Studium an einer Universität scheint seine persönlichkeitsbildende Funktion immer weiter einzubüßen. Eine „Gegenbewegung“ zu den unzähligen Bachelor- und Masterangeboten bieten die im Geiste eines Alexander von Humboldt interdisziplinär agierenden Universitäten: Die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, die Jacobs Universität Bremen und die Universität Witten/ Herdecke. Nicht die Ausbildung von stromlinienförmigen Spezialisten, sondern umfassende Bildung für junge Menschen, die Zusammenhänge begreifen und die eigenen Leidenschaften und Fähigkeiten freiheitlich beim Lernen und Forschen entwickeln können, so die gemeinsame Grundhaltung. Wie gelingt ein solch ambitioniertes Konzept in der Praxis? Und steht die Freiheit im Studium im Gegensatz zu den Interessen der Arbeitgeber? Ob und wie sich Persönlichkeitsbildung und Arbeitsmarktorientierung vereinbaren lassen, ist daher Teil der Diskussion. 

Impulsvortrag und Diskussion
Prof. Tanja Brühl, Vize-Präsidentin und Politologin an der GU

Diskussion
Prof. Birgit Blättel-Mink, Soziologin und Direktorin am IWAK GU, Georgio Nasseh,  AStA-Vorstand der Goethe-Universität, Prof. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg, Studierendensprecher GU

Moderation
Petra Boberg, Hessischer Rundfunk, hr-info


16. Dezember, 19.30 Uhr / Dressiert und angepasst?

Wege aus dem einseitigen Lernen

   

„Dressiert und angepasst? - Wege aus dem einseitigen Lernen“, so die Überschrift der Veranstaltung am kommenden Montag. Zur Debatte stehen dabei Fragen wie: Ist unser Schulsystem wirklich veraltet? Bedarf es einer Revolution im Klassenzimmer? Wie viel Freiheit und wie viel Disziplin sind angemessen? Welche Rolle erfüllt der Lehrende heute, welcher Wandel hat sich in diesem Berufsbild vollzogen? Wie individuell können Lernkonzepte sein und welche Lehrmethoden sind nicht nur kreativ, sondern auch sinnvoll? Die Reformpädagogin Enja Riegel wird von ihren Erfahrungen als Direktorin einer Reformschule in Wiesbaden berichten. Der Lehrer und Autor Michael Felten zeigt dagegen, dass auch an "normalen" Schulen gute Bildungs- und Entwicklungsarbeit möglich ist - wenn Lehrer engagiert und qualifiziert genug sind. Gerhard Büttner, der Leiter der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung kennt das komplizierte Spannungsfeld in dem Lehrer sich heute täglich bewegen und beweisen müssen. Welche Ansätze und Methoden vermittelt er der neuen Lehrergeneration? Doch nicht nur die Lehrenden, auch die Schüler haben sich verändert, weiß Bernhard Heinzlmaier. Der Experte für Jugendkulturforschung wagt eine aktuelle Definition der Zielgruppe „Schüler“.

„Dressiert und angepasst? Wege aus dem einseitigen Lernen“ mit:

  • Gerhard Büttner, Leiter der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität
  • Michael Felten, Lehrer, Erziehungsratgeber und Autor
  • Bernhard Heinzlmaier, spezialisiert auf Jugendkulturforschung und lehrt an verschiedenen Hochschulen in Deutschland und Österreich
  • Enja Riegel, Reformpädagogin
  • und den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern
  • Moderation: Petra Boberg von hr-iNFO

Impulsvortrag und Diskussion
Prof. Gerhard Büttner, Leiter der Goethe-Lehrerakademie (GLA)

Diskussion
Enja Riegel, Reformpädagogin

Moderation
Petra Boberg, Hessischer Rundfunk, hr-info

13. Januar, 19.30 Uhr / Exklusiv und effizient?

Bildung als Ware

   

Der Bildungsmarkt floriert. Unzählige Weiterbildungsangebote und Zertifikate jeglicher Fachrichtung werden heute angeboten, um jede Berufsbiografie und jeden Lebenslauf zu optimieren. Eltern legen sich für die goldene Zukunft ihrer Kinder krumm oder können es sich einfach leisten ihren Nachwuchs auf teure Privatschulen zu schicken. Dort ist nicht nur die Ausbildung wertvoll, sondern auch der Kontakt zu gleichgesinnten Familien. Viel Geld, viel Wissen? Ist es heute tatsächlich so einfach? Werden wir gerade Zeugen einer Feudalisierung von Bildung? Das Thema Bildung als Ware stellt die ökonomische Dimension von Wissensvermittlung vor. Dazu zählt auch das zunehmende Angebot von Onlinelehrveranstaltungen: Eine zeitgemäße, niedrigschwellige Unterrichtsform, die hochwertiges Lernen auch für bildungsferne Schichten möglich macht. Ist das die Zukunft? An Schulen und Universitäten hat sich das eLearning längst etabliert, sogenannte Moocs (Massive open online course) sind beliebig abrufbar. Doch der Dschungel an Angeboten ist komplex, selbst Bildungspolitikern fehlt hier mitunter der Durchblick. Ökonomen wundern sich schon lange, dass Bildungspolitiker nicht auf Systemberater zurückgreifen.

Impulsvortrag und Diskussion
Prof. Kerstin Schneider, Bildungsökonomin, Bergische Universität Wuppertal

Diskussion
Claudia Bremer, Leiterin Studium digitale GU, Andreas Koini, Strothoff International School Dreieich, Eva Segner, Elternvertreterin, Prof. Sighard Neckel, Soziologe GU

Moderation
Marc Dugge, Hessischer Rundfunk, hr-info


27. Januar, 19 30 Uhr / Abgehoben und überakademisiert?

Wie viel Bildung verträgt der Mensch?

   

Die Rede ist von Akademisierungswahn, verkopften Studenten und immer weniger Auszubildenden. Wie kommt es, dass die Intelligenz eines Menschen fast ausschließlich an seinem Schulabschluss gemessen wird? Warum hat ein Ausbildungsberuf tendenziell ein schlechteres Image als ein akademischer Titel? Auf dem Arbeitsmarkt müssen sich alle durch ihre individuelle Leistung beweisen, sollte das nicht der eigentliche Maßstab sein? Auch die Frage, welches Wissen tatsächlich allgemein relevant ist, soll im Rahmen dieser Veranstaltung diskutiert werden. Mit viel Wissen hantieren müssen inzwischen auch die großen Verwalter von Wissen, so auch die Frankfurter Universitätsbibliothek. Wie entscheidet man dort über die Qualität von Informationsträgern, gerade auch in Zeiten digitaler und internetbasierter Quellen? Mit Blick auf die Anforderungen in großen Wirtschaftsunternehmen, wird der Chef der Lebensmittelkette Alnatura, Götz Rehn, Waldorfschüler und Volkswirtschaftler, seine Unternehmenskultur vorstellen. Der Pisa-Studienexperte Manfred Prenzel liefert zudem neuste Erkenntnisse aus der Bildungsforschung.

Impulsvortrag und Diskussion
Prof. Manfred Prenzel, Pisa-Studien-Experte, Erziehungswissenschaftler

Diskussion
Götz Rehn, Gründer von Alnatura, Dirk Roßmann, Geschäftsführer Rossmann, Dr. Heiner Schnelling, Leiter Universitätsbibliothek GU

Moderation
Petra Boberg, Hessischer Rundfunk, hr-info


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