Informiert oder manipuliert? Medien und öffentliche Meinung im Wandel

Das Erfinden von Nachrichten macht derzeit immer häufiger Schlagzeilen. Nicht von ungefähr hat die Gesellschaft für deutsche Sprache 2016 das Wort „postfaktisch“ zum „Wort des Jahres“ gekürt. Gemeint ist damit eine verbreitete Tendenz, die Geltung belegbarer Fakten und Argumente schlichtweg zu bestreiten. Gleichzeitig werden immer mehr Fake News mit dem Ziel der absichtlichen Manipulation und Destabilisierung des öffentlichen Diskurses und der Meinungsbildung in Umlauf gebracht. Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Immer mehr Menschen – auch in Deutschland – scheinen nicht mehr bereit oder fähig zu sein, die Geltung des besseren Arguments, einer belegbaren Tatsache anzuerkennen. Stattdessen folgen sie immer häufiger Verschwörungstheorien. Die Diskussionsreihe „Informiert oder manipuliert?“ möchte den Falschmeldungen auf den Grund gehen. Der erste Abend beleuchtet die Bedeutung des klassischen Journalismus in Zeiten von Fake News und Medienformate der Zukunft. Im zweiten Teil werden das Entstehen von Wahrheit und Lüge und die Folgen von Falschmeldungen für gesellschaftliche und politische Diskurse diskutiert. Zudem möchte die Reihe insbesondere am dritten Abend die Social Media in den Blick nehmen. Hierbei sollen gängige Techniken und Praktiken der Manipulation und der Umgang mit ihnen diskutiert werden.


27/11/2017 19.30 Uhr

Old School oder En Vogue? Journalismus neu denken

Meinungsbildend, faktisch, aktuell, relevant – Merkmale, die den klassischen Journalismus auszeichnen. Oder etwa ausgezeichnet haben? Gewiss ist, die Branche unterliegt einem Wandel. Die Digitalisierung hat den Journalismus verändert, seine Funktion als Gatekeeper in Frage gestellt. Leser bestimmen Themen, Internet-Provider filtern Nachrichten und Roboter sorgen für Content. Doch in Zeiten von Ungewissheit, Trump und Fake News erfährt der klassische Journalismus am Beispiel von „The New York Times“ plötzlich wieder eine besondere Relevanz. Welche tatsächliche Bedeutung haben die klassischen Medien heute (noch)? Kann die Branche in Zeiten von Blogs und Social Media noch Schritt halten? Wie sehen Formate der Zukunft aus?

Podiumsteilnehmer u.a.: Prof. Manfred Faßler (Medienwissenschaftler, Goethe-Uni), Bascha Mika (Chefredakteurin, Frankfurter Rundschau), Joachim Braun (Chefredakteur, Frankfurter Neue Presse), Nils Bremer (Chefredakteur, Journal Frankfurt)

Moderation: Dr. Olaf Kaltenborn (Pressesprecher, Goethe-Uni)


11/12/2017 19.30 Uhr

Auf der Suche nach der Wahrheit: Folgen von Fake-News für politische und gesellschaftliche Diskurse

Fake News, postfaktisch und Lügenpresse – alle drei so relevant für den deutschen Sprachgebrauch, dass sie jüngst in den neuen Duden aufgenommen wurden. Dies verdeutlicht, wie sehr das Thema Falschmeldungen in den vergangenen Monaten in den Fokus der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit gerückt ist. Die absichtliche manipulative Verbreitung von Fake News kann ganze Diskurse beeinflussen. Wahrheiten gehen dabei zwischen alternativen und realen Fakten verloren. So entstehen immer mehr Expertengruppen, um Nachrichten zu verifizieren. Was ist Lüge? Was ist Wahrheit? Wie werden Lügengeschichten konstruiert? Was sollen sie bewirken und wie lassen sie sich überprüfen?

Podiumsteilnehmer u.a.: Prof. Marcus Willaschek (Philosoph, Goethe-Uni), Prof. Vinzenz Hediger (Filmwissenschaftler, Goethe-Uni), Anna-Maria Wagner (Referentin für Digitale Kommunikation, Deutscher Journalistenverband), Andreas Platthaus (stellv. Feuilleton-Chef, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Moderation: Pitt von Bebenburg (Frankfurter Rundschau)


15/01/2018 19.30 Uhr

„Soziale“ oder „asoziale“ Medien? Technologien der Wahrnehmungs-Überwältigung

Fake News, Hetze, Hasskommentare – wie sozial sind Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. wirklich? Ende Juni 2017 verabschiedete der Bundestag das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Ein Erlass, dass Betreiber von sozialen Plattformen verpflichtet, strafbare Inhalte nach Nutzermeldung zu löschen. Hierfür werden Computerprogramme trainiert, die die digitale Menschenfeindlichkeit leichter aufdecken sollen. Doch wie verlässlich sind diese Algorithmen und wird damit die rechtsstaatliche Verantwortung nicht an die Falschen übertragen? Aber nicht nur in der Bekämpfung auch in der Verbreitung von Inhalten werden Softwareprogramme eingesetzt: Social Bots. Sie verbreiten automatisch täuschend echte Nachrichten in Sozialen Netzwerken. Inwiefern wird hier die digitale Öffentlichkeit manipuliert? Welche Technologien und Geschäftsfelder der Manipulation gibt es? Welche Chancen und Risiken bestehen in der Regulierung?

Podiumsteilnehmer: Dr. Thorsten Thiel (Politologe, Goethe-Universität), Julia Krüger (Autorin, netzpolitik.org), Karolin Schwarz (Autorin und Gründerin von hoaxmap.org)

Moderation: Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)