Frankfurter Bürger-Universität im Sommer 2014

Vortragsreihe "Wie wir wurden, wer wir sind" - Deutsche Biographien


12.05.2014 - Romy Schneider

„Ich war noch nie Sissi“

Wie bei kaum einer anderen Schauspielerin verkörpern Arbeit und Leben der Romy Schneider die spannungsreiche Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich. Ihr Karrierebeginn und Aufstieg über eine Reihe von Filmerfolgen greift die Sehnsucht nach Heilung und Verklärung einer vormodernen Zeit auf. Ihr internationaler Ruhm erfolgt über Engagements in Frankreich, wo sie ihren Lebensmittelpunkt findet und eine späte Professionalität entwickelt. Der Vortrag widmet sich den biografischen Weichenstellungen einer künstlerischen Laufbahn, für die wechselnde Loyalitäten einer Bühnenexistenz bestimmend werden.        

Der Referent: Prof. Tilman Allert lehrt Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe Universität Frankfurt

Veranstaltungsort: Stadtbücherei Frankfurt, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
Beginn: 19.30 Uhr


19.05.2014 - Caterina Valente

Wo meine Sonne scheint

Caterina Valente ist als ein musikalisches Multitalent im Kollektivgedächtnis der Deutschen präsent. Italienerin von Geburt und aus einer Familie mit generationenübergreifender künstlerischer Tradition stammend, ist mit ihrem Namen die kulturelle Öffnung im Unterhaltungsangebot des Nachkriegsdeutschland verbunden. Als die „Stimme des Aufschwungs“ vereint sie in ihren Auftritten konventionelle Geschmackserwartungen ebenso wie den Wunsch nach einer ästhetischen Vorreiterrolle. Der Vortrag entwirft das Porträt einer internationalen Karriere. 

Der Referent: Dieter Bartetzko ist Redakteur und Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Veranstaltungsort: Stadtbücherei Frankfurt, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
Beginn: 19.30 Uhr


26.05.2014 - Ludwig Erhard

Wohlstand für alle

Im Geburtstagsjahr der Goethe-Universität erfährt Ludwig Erhard eine besondere Aufmerksamkeit. Zum Diplom-Kaufmann ausgebildet, studierte er an der Universität Frankfurt u.a. bei Franz Oppenheimer, dem Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für Soziologie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Erhard verantwortlich für die Leitung der Wirtschaftspolitik der westlichen Besatzungszonen, eine Tätigkeit, die die Legende eines liberalen Wirtschaftspolitikers entstehen lässt. Der Vortrag geht den Voraussetzungen dieser Einschätzung nach und beleuchtet Stationen einer Karriere, die mit der Wahl zum Bundeskanzler ihren Höhepunkt findet.

Der Referent: Prof. Werner Plumpe lehrt Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt

Veranstaltungsort: Stadtbücherei Frankfurt, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
Beginn: 19.30 Uhr


02/06/2014 - Theodor W. Adorno

Patriot der eigenen Kindheit

Adorno, ein „Patriot seiner Kinderzeit“, lehnte es grundsätzlich ab, die Kinderzeit, die er in sich trug, je zu verlassen. Dies schreibt Alexander Kluge in "Das fünfte Buch" (2012). Doch was wissen wir eigentlich über die frühen, prägenden Jahre "Teddies" in Frankfurt? In seinem Vortrag stellt Reinhard Pabst neuentdeckte biografische Dokumente zu Werk und Leben des berühmten Frankfurter Philosophen und Soziologen zur Diskussion.

Der Referent: Reinhard Pabst ist freier kulturhistorischer Autor

Veranstaltungsort: Stadtbücherei Frankfurt, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
Beginn: 19.30 Uhr


30/06/2014 - Armin Mueller-Stahl

„In der DDR gingst Du spazieren, in der BRD musst Du laufen“

Armin Mueller-Stahl verkörpert in seiner Entwicklung zum Schauspieler einen spannungsreichen Spagat zwischen Alltagsnormen, Lebensgefühl und kulturellen Erwartungen der beiden Deutschlands, die mit dem Fall der Mauer die schwierige Situation entstehen lässt, die unterschiedlichen Erfahrungen aufeinander zu beziehen und in wechselseitigem Respekt eine produktive Verbindung entstehen zu lassen. Armin Mueller-Stahl zählt von seiner Familiengeschichte, Generationszugehörigkeit und seinem künstlerischen Ausdrucksvermögen her zu exemplarischen Vertretern einer Annäherung zweier disparater Lebensformen. Der Vortrag geht den Weichenstellungen dieser einzigartigen deutsch-deutschen Biografie nach.

Die Referentin: Sandra Kegel ist Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben und Mitarbeiterin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Veranstaltungsort: Stadtbücherei Frankfurt, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
Beginn: 19.30 Uhr


14/07/2014 - Horst Janssen

„Wen die Götter lieben, den lassen sie spinnen“

Als Zeichner und Grafiker hat Horst Janssen internationalen Ruhm erlangt. Nach dem Krieg an der Hamburger Kunstakademie ausgebildet, genießt er in kürzester Zeit höchste Anerkennung. Sein exzessives Mitteilungsbedürfnis findet auch in literarischen Beiträgen einen beeindruckenden Ausdruck. Früher Elternverlust, schulische Erziehung in einer nationalsozialistischen Eliteschule sowie Ausbildung im ästhetisch offenen Raum der Nachkriegszeit markieren die Stationen einer radikalen Konzeption, die das Risiko der Selbstpreisgabe auf sich nimmt. Der Vortrag widmet sich der Frage, wie Familienbeziehungen, Werkgestalt und künstlerischer Entwurf ineinandergreifen.

Der Referent: Prof. Tilman Allert lehrt Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe Universität Frankfurt

Veranstaltungsort: Stadtbücherei Frankfurt, Zentralbibliothek, Hasengasse 4
Beginn: 19.30 Uhr


Bildnachweise:

Romy Schneider, Caterina Valente, Armin Mueller-Stahl, Horst Janssen: wikicommons | Ludwig Erhard: Bundesarchiv | Theodor W. Adorno: Ilse Mayer-Gehrke/Suhrkamp Verlag